Aprilausgabe des Onlinecampus Review

Aprilausgabe des Onlinecampus Review

„Connected Kids“. Lernen im vernetzten Klassenzimmer mit Tablets.
„Schule müsste zu einem Basislager werden,
von dem man aufbricht, das Leben zu erkunden“

(Zarate, A. de; Tressel, J.; Ehrenschneider, L-L. (2014). Wie wir Schule machen. Lernen, wie es uns gefällt. München: Knaus. S. 49.)

Kann man bei Schüler/innen (digiKids), die in der Regel gut mit digitalen Medien ausgestattet sind und oftmals eine permanente Anbindung an das Internet haben, von einer „Web 2.0-Kompetenz“ ausgehen? Können wir bereits von einer vernetzten Generation sprechen?
• Das Konzept „Connected Kids“, bezogen auf die Altersgruppe (VS, NMS, WMS, SPZ), geht davon aus, dass es ‚kundige digiKids‘ gibt, die Gleichaltrigen, Jugendlichen bzw. sogenannten „Digital Immigrants“ (bis hin ins hohe Alter) ihr Know-how zeigen können. Mit diesem Zeigen verbindet sich die Absicht, digitale Kompetenzen weiter zu geben und neue Bezugsgruppen motivierend zu unterstützen, diese neuen Technologien zu probieren, sie anzuwenden, um sie in ihre Selbstorganisation (Umgang mit der Daten- und Informationsfülle) einzugliedern. Pädagog/innen haben die Chance, zu Lernenden zu werden, ein Rollenwechsel.
• Das Tablet verändert pädagogisch noch gar nichts. Das Konzept „Connected Kids“ verlangt daher nach einem Paradigmenwechsel in der pädagogischen Arbeit im Klassenzimmer und in der Pädagog/innenbildung: neue Lernarrangements, speziell aktivierendes und offenes Lernen, ein hohes Maß an Individualisierungschancen, aktive Auseinandersetzung mit Medien und neuen Technologien. Je mehr Möglichkeiten Lernende vorfinden, sich Wissen, Kompetenzen und Fähigkeiten digital anzueignen, umso kompetenter, vernetzter und verantwortungsvoller werden sie auch später im Klassenzimmer und im Leben damit umgehen – so die Hypothese.

„Connected Kids“, fokussiert auf das Lernen mit Tablets im Klassenzimmer, ein Schritt in die digitale pädagogische Zukunft. Im Zeitraum November 2013 bis April 2014 sind 16 Schulen (Volksschulen, Sonderpädagogisches Zentrum, Neue Mittelschulen) auf den digitalen Zug für eine Projektphase aufgesprungen, haben Tablets (iOS, Android) in ihren Unterricht eingebaut, pädagogisch neue Lernsettings probiert und die Schüler/innen zum Erwerb digitaler Kompetenzen geführt.
Jede Projektphase, unterstützt durch einen „vollen Tabletkoffer“, ca. 90 Apps, einer WLAN-Box von T-Mobile, startete mit einem Pädagog/innen-Training. Dem praktischen Tun ging das Erlernen der Gesten und die „Lufthoheit“ über Einstellungen und Appsgewinnen voraus. Drei Gruppen von Apps:
• Apps als Lernprogramme (hohes Maß an Individualisierung nach den Bedürfnissen der Schüler/innen);
• Apps als Wissenspool für den situativen Unterricht (Themen, die Schüler/innen besonders interessieren, Bilder, Videos und Informationen werden ad hoc in das Klassenzimmer geholt);
• Apps als Treiber für Kreativität (Erstellen eigener digitaler Bücher mit Text, Bild und Ton. Vorbereiten von Präsentationen mit Aufzeichnungsmöglichkeit. Grafik-Apps, Musik-Apps bis hin zum Klassenkonzert).

Die Schüler/innen waren in den durchschnittlich darauf folgenden nächsten zwei Wochen an der Reihe, um innerhalb der pädagogischen Konzepte und Lernarrangements mit dem Tablet zu arbeiten. Plötzlich übernahm das Tablet eine gleichwertige Funktion wie das Buch, das Lexikon oder das Schulübungsheft. Natürlich hat so ein Tablet eine Anfangsfaszination und scheint Oberhand unter den Unterrichtsmitteln zu gewinnen. Es gibt aber keine „Tabletstunde“, es geht nicht um Technik, es geht darum, diese einfach zu bedienenden Geräte in den Unterrichtsprozess zu integrieren, um die gesetzten Bildungsziele zu erreichen und die Umwelt in das Klassenzimmer zu jedem pädagogisch sinnvollen Zeitpunkt herein zu holen. Eine Chance, die durch klassische Anschauungsmittel immer schon gegeben war, aber in dieser Komplexität Mehrwert bringt.

Die Frage, ob es Schüler/innen Freude gemacht hat, ist aufgrund der Evaluierungen bestätigt worden. Bemerkenswert aber ist die hohe Motivationslage, die gesteigerte Lernbereitschaft, auch „etwas“ zu machen, das sonst nicht so beliebt ist (das Schreiben, das 1×1-Üben, das Vokabellernen), die anhaltende Konzentration und das am Thema Bleiben. Und wenn Sie nachfragen: Probleme im Verhalten, im Umgang mit den Tablets? Disziplinprobleme waren wie weggewischt.
„Es bedeutet mir sehr viel, wenn ich selbstständig lernen kann. Wenn mir überlassen wird, wann ich was kapiere.“

Haben Tablets nun zu einer verbesserten Lernsituation, zu einem Lernzuwachs, zu einer anderen sozialen Begegnung zwischen Schüler/innen (und Pädagog/innen) geführt? Dass Lehren über den Einsatz von Tablets und Apps automatisch Lernen bewirkt, ist klar zu verneinen. Vielmehr geht es um andere Lehr-/Lernprozesse in der Schule. Dazu können Eltern mehr sagen, die jeweils am Ende der Projektphase in die Schule eingeladen waren. Ihnen haben die Schüler/innen gezeigt, wie mit einem Tablet (einem App) gearbeitet und gelernt oder Wissen geschöpft wird. Plötzlich waren die Schüler/innen die Tutor/innen, die Lehrenden und überzeugten ihre Eltern vom ihrem neuen Know-how. Stolz waren sie, die Schüler/innen! (http://www.connected-kids.at)

Im Zuge dieses Projektes konnten Ursula Mulley und Barbara Zuliani in den beteiligten Volksschulen das Netzwerk „IT@VS“ vorstellen und so wieder Lehrer/innen für den Einsatz digitaler Medien begeistern.

Paul Kral, Projektleiter von „Connected Kids“.

2 Responses

  1. Christa rauch sagt:

    Wo / Wie finde ich Apps, die ich im Deutsch -Unterricht in der Unterstufe Gymnasium verwenden könnte? Hab selber erst seit kurzem ein i-pad, kenn mich damit noch nicht so besonders aus, würde aber gerne mit Schülern im Unterricht mit apps arbeiten, weil wir tablets bekommen haben.
    Würde mich über Tipps sehr freuen!
    Danke und liebe Grüße,

    Christa Rauch
    BG GIBS
    Graz

  2. Liebe Fr. Kollegin,
    das klingt toll 😉
    In welchem Bereich würden Sie gerne die iPads einsetzten? Wörterbuch, Grammatik, Schreiben von Texten, kollaboratives oder exploratves Arbeiten mit Texten, Literacy-Bereich, online-Plattformen etc.?
    Sie können mir auch gerne ein persönliches Mail schicken (meine Mailadresse finden Sie auf meiner Klassen-HP) –> http://www.teachdifferent.at
    Liebe Grüße,
    Barbara Zuliani

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