Digitale Medien machen dick, dumm, einsam und krank?

Digitale Medien machen dick, dumm, einsam und krank?

Spitzer, M. Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen

Digitale Demenz (277 x 376)Quelle: Kurier.Karrieren S. 3 vom 19.01.2013

Der Kritiker. Im Jahr 2012 erregte das Buch „Digitale Demenz“ von Manfred Spitzer Aufsehen. Spitzer, Jahrgang 1958, studierte Medizin, Psychologie und Philosophie. Er war Gastprofessor an der Harvard University und leitet heute die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm.

Die digitalen Medien sind Segen und Fluch, will er in seinem Werk beweisen: Sie neh­men Arbeit ab und helfen beim Organisieren, übernehmen Rechnereien und helfen bei der Orientierung. Sie erleichtern den Alltag. Auf der anderen Seite schaden sie dem Geist: Wer das Gehirn nicht fordert und fördert, riskiert, dass das Gedächtnis langsam aber sicher versagt.

Gedächtnisspuren

Das Gehirnverändert sich durch seinen Gebrauch ständig. Wenn wir denken, fühlen oder handeln, werden in unserem Gedächtnis Spuren hinterlassen. Wird das Gehirn benutzt, wachsen Gehirnareale. Wird das Gehirn nicht gebraucht, entstehen keine Spuren. Je oberflächlicher ein Sachverhalt behandelt wird, desto weniger wird gelernt und gemerkt. Laut Spitzer können sich deshalb Internet und digitale Medien negativ auf das Lernen auswirken: „Früher wurde in die Materie eingedrungen, heute wird stattdessen im Netz gesurft.“ Lernen würde eigenständige Geistesarbeit voraus­setzen, tiefe Verarbeitungsschritte würden durch elektronische Medien aber be- oder verhindert.

Motivation

Neben der geringen Beanspruchung des Gehirns birgt die Nutzung eine weitere Gefahr: Wer weiß, dass Google sowieso immer die Antwort weiß, hat wenig Motivation sich neue Sachverhalte einzuprägen. „Wenn man weiß, dass man etwas irgendwo aufbewahrt hat, dann macht man sich keinen Kopf mehr darum“. Damit würde Wissen verloren gehen und die Möglichkeit auf künftige eigenständige geistige Arbeit reduziert werden.

Soziale Netzwerke

Selbst beim Brunch mit Freunden werden die digitalen Bekanntschaften auf Facebook gepflegt. Wenn Jugendliche und Kinder ihr Sozialleben im Internet abwickeln, besteht die Gefahr, dass die Gehirnareale, die für das Sozialverhalten zuständig sind, nicht normal entwickelt werden. Zudem würde die Anonymität des Internets bewirken, dass wir uns weniger kontrollieren und uns entsprechend weniger um adäquates Sozialverhalten bemühen würden.

Multitasking

Das Handy klingelt, während eine eMail gelesen wird, eine Facebook-Anfrage trifft ein. Im 10­Minuten-Takt unterbrechen Menschen laut einer Studie ihre Arbeit. Multitasking führt so zu Störungen in der Aufmerksamkeit.

Ausweg

Spitzer ist gegen digitale Medien. „Sie machen dick, dumm, aggressiv, einsam, krank und unglücklich.“ Um fit zu bleiben empfiehlt er, digitale Medien zu meiden, Bewegung zu machen und gesund zu essen.

Sein Werk erntete auch Kritik: „Ein unleserliches Buch, ein aus rostigen Studien, lahmen Alltagsweisheiten und gebrauchten Papers zusammengeschweißtes Konvolut“, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zei­tung.

 

 

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